Ein Neubürger erobert unsere Kastanien

Anmerkungen zur Rosskastanien-Miniermotte Cameraria ohridella

 

 

Seit etwa 2-3 Jahren erobert eine kleine Motte unsere Kastanien und bedroht deren Existenz.

Die Rede ist von der Rosskastanien-Miniermotte Cameraria ohridella, die erstmals 1985 in Mazedonien entdeckt und als neue Art innerhalb der Familie Blattmotten (Gracillariidae) überhaupt erst beschrieben wurde. In rasantem Tempo hat sie seit dem den europäischen Kontinent erobert und droht, die Rosskastanie (Aesculus hippocastanum) in Europa stark zu beeinträchtigen oder gar auszurotten ?

Befallene Kastanienblätter; Aufn. J. Müller 2001

  • Von C. ohridella befallen Blätter der Rosskastanie; Aufn. J. Müller 2001
  •  Beschreibung

    Die etwa 5 mm grossen Imagines haben ca. 3,5 mm lange metallisch - ockerfarbene Vorderflügel mit schwarz gerandeten weissen Querstreifen. Die Weibchen legen etwa 40 weisslich transparente, winzige (d.h. etwa 0,3 mm grosse) Eier blattoberseits ab, aus denen nach etwa 2 bis 3 Wochen Larven schlüpfen, die sich sogleich ins Blattgewebe einbohren und dort den Zellsaft aufnehmen (Junglarve als "Saftschlürfer-Typ"). Ab zweitem Larvenstadium fressen sie dann das Gewebe ("Gewebefresser-Typ") und erweitern die Mine bis zu 3 bis 4 cm Länge. Die Mine ist unregelmäßig geformt und durchläuft meist zwei Seitennerven eines Kastanienblattes. Bei starkem Befall können die einzelnen Minen "zusammenfließen", wodurch sich dann mehrere Larven in den Gemeinschaftsminen zu Puppen entwickeln können. Die Puppen "ruhen" im Sommer 12 bis 16 Tagen und entwickeln sich währenddessen zu den ockerfarbenen kleinen Motten. Ueberwinternde Puppen "ruhen" etwa 6 Monate im Laub, womit sich schon ein Hinweis fuer die Entsorgung des Problems ergibt - Verbrennen ...

    Zum Schlupf müssen sich die beweglichen Puppen mit ihrem spitzen Kopf aus dem Blatt halb herausbohren, um dem Falter das Schlüpfen zu ermöglichen. Er könnte das nicht aus "eigener Kraft", da er leckend-saugende Mundwerkzeuge besitzt und sich damit nicht durch die Epidermis durchbeissen kann.

    Inzwischen hat die Art längst Deutschland erreicht (1992/93 Süddeutschland); etablierte sich im Münchener Raum 1994 und hat dann 1998 bereits ganz Bayern besiedelt. Seit dem wandert sie gen Norden und ist bei uns Ende der 90er Jahre angekommen, zu erkennen an den vielen braunen Blättern bereits im Sommer. Buchsbaum & Schönitzer haben im vergangenen Jahr vom Befall in Thüringen berichtet (Mitt. Thür. Entomologenverband 7(2/2000): 49).

    Da die Art um das Jahr 2000 nun auch vermehrt in Magdeburg durch vorzeitig braune Kastanienbäume in Erscheinung tritt und dies 2001 in meines Nachbarn Garten an einer prächtigen Kastanie erstmals durch Massenbefall deutlich sichtbar wurde (s. Abb. von befallenen Blättern vom September 2001), mache ich auf das Problem aufmerksam und empfehle unseren Lepidopterologen, den Fortgang der Besiedlung und der damit im Zusammenhang stehenden ökologischen Verhältnisse zu untersuchen / zu verfolgen und evtl. Empfehlungen für die Entsorgung des befallenen Laubs zu erarbeiten ...

    (weitere Informationen s. Homepage der Uni München: www.cameraria.de)

    Joachim Müller