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Urweltkrebse (Anostraca und Notostraca)
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Dieser Beitrag soll auf einige Tierarten aufmerksam machen, die sowohl auf Grund ihrer Lebensweise, ihres Lebensraumes als auch ihrer Vergangenheit äußerst interessant sind. Es handelt sich dabei um ausgewählte Vertreter der Krebstiere (Crustacea), deren Lebensraum temporäre Gewässer – Pfützen, Fahrspuren, Überschwemmungsflächen, austrocknende Tümpel aber auch Fischteiche sind. Die Rede ist von Kiemenfüßern oder Feenkrebsen (Anostraca) sowie von Rückenschalern (Notostraca). Letztere werden vielfach auch als Blattfüßer (Phyllopoda) bezeichnet. In die engere Verwandschaft gehören ferner die weitaus bekannteren Wasserflöhe (Cladocera) und die Muschelschaler (Conchostraca), die zu den Zweischalern (Diplostraca) zusammengefasst werden. Was macht nun diese Tiere so interessant, die selbst heute noch in nomenklatorischer Hinsicht unterschiedlich in das Reich der Tiere eingeordnet werden? Zum einen ist es ihre Vergangenheit und zum anderen ihre höchst interessante Lebensweise. Diese ursprünglichen Krebse besiedeln bereits seit über 500 Millionen Jahren unseren Erdball – und haben sich dabei kaum verändert. Die Art Triops cancriformis trat unverändert bereits vor 180 Millionen Jahren auf und zählt somit zu den ältesten rezenten Tierarten überhaupt (ERBEN, 1952). Eigentlich ein Widerspruch zur Evolution, aber die ausgewählte ökologische Nische und die daran angepasste Lebensweise machten eine Weiterentwicklung nicht zwangsläufig erforderlich.
Der oftmals geringe Wasserstand der besiedelten Lebensräume (Habitate) ermöglicht eine schnelle Erwärmung des Wasserkörpers. Diese wiederum lässt Algen sowie Einzeller als Nahrung für die Larven (Nauplien) nach dem Schlupf üppig gedeihen. Ein breites Nahrungsspektrum, bis hin zum Kannibalismus, lässt die Tiere schnell heranwachsen. Innerhalb weniger Tage oder Wochen, bevor die Fahrspur oder der Tümpel austrocknet, sind sie herangewachsen und können ihre Eier ablegen. Dabei häuten sie sich mehrmals. Die Eier (Dauereier) wiederum überstehen Jahre, scheinbar sogar Jahrzehnte unbeschadet. Ihnen kann weder eisige Kälte noch kochende Hitze oder gar ein extrem saures Medium etwas anhaben. Sowie die Bedingungen wieder günstig sind, schlüpfen daraus die Nauplien. Für das Gebiet des heutigen Sachsen-Anhalt werden 6 Arten angegeben (NEUMANN, 1999), von denen zwei Arten (Streptocephalus torvicornis, Lynceus brachyurus) als ausgestorben gelten. Eine siebte Art (Artemia salina, das Salzkrebschen) findet zwar bei NEUMANN (1999) Erwähnung (nach FÖCKLER, 1937), jedoch existieren keine Belegexemplare. Angeblich sollen in den Jahren 1935 und 1936 in zwei salzhaltigen Gewässern südöstlich der Stadt Staßfurt Vorkommen zu verzeichnen gewesen sein. Mehr oder weniger regelmäßig finden wir hingegen die anderen Arten, die jeweils zu gleicher Zahl den Anostraca und den Notostraca zugeordnet werden:
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Gerade auf Truppenübungsplätzen fanden diese Überlebensstrategen bislang noch zusagende Lebensbedingungen. Mit dem Abzug der russischen Streitkräfte und der zivilen bzw. ausbleibenden Nutzung unterbleibt jedoch das unfreiwillige Anlegen temporärer Tümpel in den Fahrspuren von LKW und Kettenfahrzeugen. Sie verlanden, wuchern zu und bieten keinen geeigneten Lebensraum mehr. Wenngleich auch die Eier dieser Arten jahrzehntelang überdauern, ist ein Rückgang der Vorkommen wohl unvermeidlich. Wichtig ist deshalb eine genaue Kenntnis der noch besiedelten Habitate. Aus diesem Grund rufen wir dazu auf, bei der Erfassung dieser imposanten Tiere zu helfen. Dietmar Spitzenberg [spitzenbergdiet@aol.com] Literatur:
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