2004 - Ein gutes Pilzjahr, aber nicht für Speisepilze

 

  • Fruchtkörper des Ziegelroten Risspilzes (Inocybe erubescens)
  • aus einem Beitrag der Volksstimme Staßfurt
    Von Dagmar Stange (Hecklingen)

     

    Was für ein Pilzjahr!
    Schon im Frühjahr begann das Schaltjahr 2004 recht ungewöhnlich. Die ansonsten häufig auftretenden Morchelarten Morchella esculenta, die Speisemorchel, aber auch die bei Speisepilzsammlern beliebte Käppchenmorchel, Morchella gigas, waren kaum zu finden. Dafür fruktifizierten schön anzuschauende Rötlinge und Pilze aus der Gattung Inocybe.

    Beide Gattungen, die Rötlinge die mit wissenschaftlichem Namen auch Entoloma genannt werden, als auch die Gattung Inocybe, so werden die Risspilze bezeichnet, stellen den Pilzsachverständigen vor eine echte Herausforderung bei der Bestimmung von Arten aus den genannten Gattungen. Allein die Gattung Entoloma umfasst mehr als 150 Arten. Ähnlich sieht es bei den Risspilzen aus. Der giftige "Ziegelrote Risspilz", welcher manchmal mit dem Mairitterling verwechselt wird, trat örtlich aspektbildend auf. Im Juni/Juli konnte man von einer außergewöhnlichen Artenvielfalt im Landkreis Aschersleben / Staßfurt sprechen.

     

    Der Ziegelrote Risspilz (Inocybe erubescens)
    Der Hut dieses Pilzes ist anfangs glockig, später mit stumpfen Buckel, vom Rand her einreißend. Bei Druck läuft er langsam rötlich an! Das Fruchtfleisch ist weiß mit süßlichem Geruch und weist einen unangenehmen Geschmack auf. Der Pilz kommt von Mai bis Juni in Laubwäldern und Parkanlagen, manchmal in großen Mengen, vor.
    Im Landkreis Aschersleben-Staßfurt ist der Ziegelrote Risspilz zwar nicht gerade häufig, fruchtete aber in den Jahren 2003 und 2004 z. B. auf dem Staßfurter Friedhof in der Hecklinger Straße aspektbildend. Das heißt, der Pilz konnte in vielen hundert Fruchtkörpern studiert, und seine Variationsbreite beobachtet werden.

    Das enthaltene Pilzgift Muscarin, das auch im Fliegenpilz nachgewiesen wird (im Ziegelroten Risspilz jedoch in einer Vielfach höheren Konzentration), wirkt auf das Nervensystem stark lähmend und der Genuss kann somit zum Tode führen!

    Manche mittelasiatischen Völker benutzen dieses Alkaloid um daraus berauschende Getränke zu bereiten. Selbst der Urin von Berauschten wurde getrunken, denn der Giftstoff wird über die Nieren ausgeschieden.

     

  • Großer Nesterdstern (Geastrum fornicatum)
  • Das bezieht sich aber nicht auf Speisepilze. So konnte unter anderem durch wöchentliche Kontrollgänge der seltene "Kragen-Erdstern " Geastrum striatum nachgewiesen werden. Der ebenfalls von mir nachgewiesene "Riesen-Erdstern" Geastrum melanocephalum, gilt als Erstfund in unserer Region. Ein weiterer seltener Fund gelang mir mit dem Nachweis des in Sachsen-Anhalt erst wenige Male gefundenen „Wurzelnden Egerlingsschirmling“ Leucoagaricus macrorhizus. Auch in den anderen Bundesländern ist der Pilz eher selten und wohl stets adventiv. Die Art stammt ursprünglich aus den Steppengebieten Osteuropas (vgl. KRIEGLSTEINER 2003).

     

    Der Große Nesterdstern (Geastrum fornicatum)
    Die Gattung Geastrum ist in Mitteleuropa mit etwa 25 Arten vertreten. Mit ihrer außergewöhnlichen Formenvielfalt gehören sie zu den interessantesten Pilzen. Viele Erdsterne sind selten, damit schützenswert und werden in den Roten Listen, nicht nur des Landes Sachsen-Anhalt, ausgewiesen. So weist auch die gerade neu veröffentlichte Rote Liste Sachsen-Anhalts insgesamt 8 Arten der Gattung auf. Davon sind drei Arten "stark gefährdet", zwei Arten "gefährdet" und zwei Arten sind gefährdet bei geographischer Restriktion.

    Im Landkreis konnten neben den Großen Nesterdstern (Geastrum fornicatum) weitere fünf Arten festgestellt werden. Das sind die Arten: Geastrum coronatum. Geastrum melanocephalum, Geastrum pectinatum, Geastrum rufescens, Geastrum triplex.

     

    Auch der Herbst des Jahres 2004 zeigte sich nicht speisepilzfreundlich. "Riesenbovist", "Hallimasch", "Riesenschirmpilz", "Safranschirmpilz" und "Egerlinge" waren nicht zu finden. Selbst der durch Eutrophierung in Ausbreitung begriffene "Karbolegerling" wurde zur Pilzberatung selten vorgelegt. Pilzsammler waren oft irritiert. Sie sammelten häufig in weiter entfernten Regionen, in der Hoffnung auf eine bessere Speisepilzausbeute.

     

  • Mairitterlinge (Calocybe gambosa)>
  • Das Ergebnis dieser Bemühungen bekamen wir als Pilzberater zu spüren, weil durch Pilzarmut in unseren Wäldern alles gesammelt wurde was einem Pilz auch nur im Entferntesten ähnlich sah. Die meisten Sammler haben ihre Pilze vorbildlich und vorschriftsmäßig in Körben gesammelt. Durch den angagierten Einsatz der beiden Pilzsachverständigen Frau Stange und Herr Geiter sowie die gute Zusammenarbeit mit dem Landkreis Aschersleben-Staßfurt, insbesondere mit Frau Dr. Bradtke, die mit Interesse unsere Arbeit begleitete, ist es gelungen, auch im Jahr 2004 die Bevölkerung vor Pilzvergiftungen zu schützen.

     

    Der Mairitterling (Calocybe gambosa)
    Der Name Calocybe gambosa, wie der Pilz botanisch genannt wird, gehört nicht wie der deutsche Name vermuten lässt zur Gattung der Ritterlinge. Er bildet die eigenständige Gattung der Schönköpfe (Calocybe) zu der ca. 13 Arten gezählt werden.
    Der Pilz gilt als guter Speisepilz. Sein starker Mehlgeruch und auch Geschmack sage jedoch nicht jedem Pilzsammler zu.
    Der Mairitterling fruchtet oft in so genannten „Hexenringen“, die mehrere Meter im Durchmesser betragen können. Aus solchen Hexenringen lassen sich vielfach über einhundert Fruchtkörper ernten.
    Aber es ist durchaus Vorsicht geboten! Der Mairitterling besitzt in dem zur gleichen Zeit erscheinenden, äußerst giftigen Ziegelroten Risspilz einen ähnlich aussehenden Doppelgänger.

    Hinweis: Die Beschreibung der Pilze ersetzt keine Beratung zum Sammeln von Speisepilzen!

     

    Literatur:
    KRIEGLSTEINER, G. J.(Herg.) (2003): Die Großpilze Baden-Württembergs, Bd. 4, Ständerpilze: Blätterpilze II – Verlag Eugen Ulmer.

     

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