Die aktuelle Libellen-Fauna (Insecta: Odonata) der Bergbaufolgegewässer im Bereich der Egelner Mulde innerhalb der Bodeniederung des Landkreises Aschersleben-Staßfurt (Sachsen-Anhalt)

 

   Zusammenfassung
Für den Zeitraum von 1980 bis 2001 wird die Odonatenfauna von 15 Bergbaufolgegewässern in der Egelner Mulde innerhalb der Bodeniederung des Landkreises Aschersleben-Staßfurt wiedergegeben. Insgesamt 31 Arten konnten nachgewiesen werden. Die Funde von Calopteryx splendens, Lestes barbaru, Lestes dryas, Lestes virens, Erytromma viridulum, Aeshna affinis, Aeshna isoscelis, Anax partenope, Libellula fulva und Sympetrum pedemontanum sind besonders bemerkenswert.

Summary
For the period of 1980 to 2001 the Odonatenfauna of 15 mining following waters becomes in the Egelner Mulde within the Bodeniederung of the administrative district Aschersleben-Stassfurt (Sachsen-Anhalt), are given back. Altogether 31 species could be proved. Findings of Calopteryx splendens, Lestes barbarus, Lestes dryas, Lesxtes virens, Erytromma viridulum, Aeshna affinis, Aeshna isosceles, Anax partenope, Libellula fulva and Sympetrum pedemontanum are especially remarkable.

   Einleitung

Westerwiese bei Unseburg (Aufn, K. Lotzing)

  • Bergbausenkungsgebiet Westerwiese bei Unseburg
  • Im Bereich der heutigen Bodeniederung des ehemaligen Landkreises Staßfurt fanden sich neben der Bode mit ihren Nebenläufen nur sehr wenige Gewässer. Dies änderte sich grundsätzlich, als mit dem Ende des Braunkohleabbaues in der Egelner Nordmulde, beginnend in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, weiträumige Geländeabsenkungen entstanden, welche nach Einstellung der Wasserhaltungen der Schachtanlagen durch den Wiederanstieg des Grundwassers auf den ursprünglichen Wasserstand, zu einer großen Anzahl von Standgewässern mit unterschiedlichster Größe wurden.

    Diese Gewässer haben sich im Laufe der Jahre zu wertvollen Sekundärbiotopen mit reichhaltiger Naturausstattung entwickelt. So sind beispielsweise große Teile der Westerwiese bei Unseburg zu Flächennaturdenkmalen erklärt worden und besitzen damit einen naturschutzrechtlichen Schutzstatus. Fast alle dieser Bergbaufolgegewässer besitzen eine besondere Bedeutung für die Odonatenfauna des Bereiches der Bodeniederung.

       Material und Methode
    Im Rahmen langjähriger Erfassungen der Libellenfauna im ehemaligen Landkreis Staßfurt erfolgten auch umfangreiche Bestandserhebungen im Bereich der Bergbaufolgegewässer im Gebiet der Egelner Mulde innerhalb der Bodeniederung. Die Erfassungen beziehen sich auf den Zeitraum 1980 bis 2001. Im Rahmen von landschaftsplanerischen Erhebungen und Untersuchungen für den Landschaftsplan für die Verwaltungsgemeinschaft "Bördeaue" erfolgten 1999/2000 ebenfalls Erfassungen der Libellen in diesen Bereichen. Die Ergebnisse dieser Erhebungen wurden ebenfalls mit in die Auswertung einbezogen.

    Die Artregistrierung erfolgte durch Abschätzen der Anzahl der angetroffenen Tiere bei den Exkursionen. Dabei wurden die Arten durch Sichtnachweise oder mittels Kescherfang bestimmt. Nach erfolgter Artbestimmung wurden die Tiere wieder unbeschadet in Freiheit entlassen. Lediglich bei schwer zu bestimmenden Arten erfolgte eine Artbestimmung nach Präparation. Es wird eingeschätzt, daß eine relativ umfassende Erfassung der im genannten Untersuchungsbereich vorkommenden Libellenarten erfolgt ist.

    Liste der untersuchten odonatenrelevanten Bergbaufolgegewässer im Bereich der Bodeniederung:

     

    Lfd.-Nr Bezeichnung Wasserfläche MTB-Nr.
    1 Pommesinteich bei Egeln-Nord ca. 12 ha 4034 / 2
    2 Großer Schachtsee Wolmirsleben ca. 30 ha 4034 / 4
    3 Altenauer Teich bei Wolmirsleben ca. 3 ha 4034 / 4
    4 Stock´scher Teich / Angelteich Wolmirsleben ca. 2 ha 4034 / 4
    5 FND Westerwiese bei Unseburg ca. 8 ha 4035 / 3
    6 Kamplake bei Unseburg ca. 13 ha 4035 / 3
    7 Holl´scher Bruch bei Unseburg ca. 2 ha 4035 / 3
    8 Tagebau Löderburg ca. 36 ha 4135 / 1
    9 Seemann bei Löderburg ca. 14 ha 4135 / 1
    10 Laake bei Löderburg ca. 7 ha 4135 / 1
    11 Kreuzteich bei Löderburg ca. 11 ha 4135 / 1
    12 Jakobsgrube bei Groß Börnecke ca. 18 ha 4134 / 2
    13 Athenslebener Seen ca. 24 ha 4135 / 1
    14 Athenslebener Ackerteich ca. 5 ha 4134 / 2
    15 Tagebau Westeregeln ca. 3 ha 4034 / 1

     

    Mit Ausnahme des Tagebaues Löderburg, des Tagebaues Westeregeln und des Holl'schen Bruchs bei Unseburg handelt es sich bei allen Gewässern um großflächige muldenförmige Geländeabsenkungen infolge des untertägigen Braunkohleabbaues. Diese Gewässer besitzen nur eine geringe bis mittlere Wassertiefe (max. 5 - 8 m) und sind großflächig, mindestens teilweise von ausgedehnten Röhrichtgürteln umgeben. Bereichsweise ist eine großflächige Schwimmblattvegetation vorhanden. Meist besteht auch eine ausgeprägte submerse Vegetation.

    Die Gewässer der Westerwiese bei Unseburg sind allseits von Pappelpflanzungen mit reichhaltigem Weidenanteil umgeben. Die Kamplake, der Wolmirsleber Schachtsee, der Stock'sche Teich, der Pomesinteich und die Jakobsgrube besitzen zumindest teilweise ausgeprägte Ufergehölze. Der Holl'sche Bruch bei Unseburg entstand durch einen großflächigen , sehr tiefen Geländeeinbruch nach vorhergegangenem Braunkohlenraubbau. Der Löderburger Tagebau und der Westeregelner Tagebau sind Restlöcher ehemaliger Braunkohlentagebaue. Sie sind durch eine große Wassertiefe und nur kleinflächige Röhrichtsäume kennzeichnet.

    Athenslebener Teiche (Aufn, D. Spitzenberg)

  • Gewässer mit hohem Wasserstand bei der Ortschaft Athensleben
  •   Ergebnisse
    Übersicht zum Artenvorkommen an den Bergbaufolgegewässern im Bereich der Egelner Mulde innerhalb der Bodeniederung mit Angaben zur ökologischen Gruppe (ÖG). zur zoogeographischen Herkunft (ZH) und zur Rote Liste Einstufung für Sachsen-Anhalt (RL-LSA)

    Für die Zuordnung nach der zoogeographischen Herkunft nach ST. QUENTIN (1960) wurden folgende Symbole benutzt:

    • s - südliche Gruppe (mediterran)
    • ö - östliche Gruppe (eurosibirisch)
    • ü - überleitende Gruppe.

    Für die Zuordnung zu entsprechenden ökologischen Gruppen (ÖG) nach DONATH (1987) wurden folgende Kürzel verwendet:

    • WMSF - Ubiquisten
    • F - reophile Fließwasser-Art
    • MW - euryöke Moor-Art
    • TW - euryöke Tümpel-Art
    • WFM - euryöke Weiher-Art
    • W - stenöke Weiher-Art
    • FW - thermophile Fließwasser-Art
    • TWM - Moor-Tümpel-Art
    • FSW - euryöke Fließwasser-See-Art
    • T - stenöke Tümpel-Art
    • S - stenöke See-Art
    • FS - stenöke Fließwasser-See-Art
    • SMW - Moor-See-Art
      Gewässer-Nr.
    Artname RL-LSA ÖG ZH 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15
    Calopteryx splendens 3 F s         x                    
    Sympecma fusca   WEM s     x x x x x   x x x   x    
    Lestes barbarus 3 T s     x   x           x x x    
    Lestes sponsa   WMSF ö x x x x x x x x x x x x x x x
    Lestes dryas 3 T ö         x                    
    Lestes virens 2 MW s     x   x             x      
    Lestes viridis   WFM s x x x x x x       x x x x x  
    Platycnemis pennipes   FSW ü         x x                  
    Ischnura elegans   WMSF ü x x x x x x x x x x x x x x x
    Pyrrhosoma nymphula   U ü         x             x      
    Coenagrion puella   WMSF ü   x   x x x x     x x x x   x
    Coenagrion pulchellum   WMSF ü     x x x x     x   x x   x x
    Enallagma cyathigerum   WMSF ö x x x x x x x x x x x x x x x
    Erythromma najas   WMSF ü         x           x x      
    Eryhtromma viridulum 2 W s       x                      
    Brachytron pratense   WMSF s   x     x           x        
    Aeshna affinis VG T ü         x                    
    Aeshna cyanea   WFM ü x   x x x   x   x x x x x x  
    Aeshna grandis   WMSF ö         x x           x      
    Aeshna mixta   U ü x x x x x x x x x x x x x x x
    Anax imperator   WFM s   x x   x x     x x x x x    
    Anax parthenope 3 S s x x     x     x     x x      
    Libellula fulva 1 FS ü         x                    
    Libellula quadrimaculata   WMSF ö x x x x x x x x   x x x x x  
    Libellula depressa   TW ü   x x   x x   x     x   x    
    Orthetrum cancellatum   WMSF s x x   x x x x   x x x x      
    Sympetrum danae   MW ö         x                    
    Sympetrum flaveolum   TWM ö x x x x x x x   x   x x x    
    Sympetrum pedemont 3 FW ö                       x      
    Sympetrum sanguineum   WFM s x   x x x x   x   x x x x x  
    Sympetrum vulgatum   WMSF ö x x x x x x x x x x x x x   x
    Artenzahl je Gewässer       12 14 16 14 30 17 11 9 11 13 20 21 15 9 7

     

      Kommentierte Artenliste für das Untersuchungsgebiet bemerkenswerter Arten

    Calopteryx splendens (HARRIS, 1782)
    Die Art ist entsprechend DONATH als reophile Fließwasserart eingestuft und bevorzugt Gewässer mit Schwingrasen oder Wasserried. Sie konnte nur im FND "Westerwiese" bei Unseburg nachgewiesen werden. An dem Gewässer war die Art jedoch nur unregelmäßig und in geringer Anzahl zu finden. Individuenreiche und stabile Populationen finden sich jedoch in unmittelbarer Umgebung an der Bode und dem Mühlengraben zwischen Tarthun und Unseburg.

    Lestes barbarus (FABRICIUS, 1798)
    Am Altenauer Teich bei Wolmirsleben, dem FND "Westerwiese" bei Unseburg, dem Kreuzteich bei Löderburg, der Jakobsgrube bei Groß Börnecke und den Athenslebener Seen ist Lestes barbarus in jährlich wechselnder Häufigkeit nachgewiesen. Die als stenöke Tümpel - Art eingestufte südliche Binsenjungfer ist ein mediterranes Faunenelement und besiedelt Gewässer mit lockerem Ufer- und Wasserried.. Ihr Hauptverbreitungsgebiet ist Südeuropa. Sie bewohnt sumpfige und stark bewachsene Kleingewässer mit Binsenbeständen, welche zumindest teilweise sporadisch ohne Wasserführung sein können. Größere Abundanzen konnten vor allem im Gebiet der Westerwiese bei Unseburg festgestellt werden.

    Unseburger Kamplake (Aufn, K. Lotzing)

  • Bergbausenkungsgebiet Kamplake bei Unseburg
  • Lestes dryas (KIRBY, 1890)
    Nur im FND "Westerwiese" bei Unseburg konnte im Rahmen dieser Untersuchungen die Glänzende Binsenjungfer gefunden werden.

    Lestes virens (CHARPENTIER, 1825)
    Aus der Westerwiese bei Unseburg,der Jakobsgrube bei Groß Börnecke und vom Altenauer Teich bei Wolmirsleben liegen aus dem Berichtszeitraum Nachweise der Kleinen Binsenjungfer vor. In der Roten Liste des Bundeslandes Sachsen-Anhalt ist Lestes virens in die Kategorie 2 (stark gefährdet) eingeordnet.

    Platycnemis pennipes (PALLAS, 1771)
    Nur im Bereich des FND "Westerwiese" bei Unseburg und der Kamplake bei Unseburg konnte im Bearbeitungszeitraum die Federlibelle festgestellt werden. Die Art ist als euryöke Fließwasser-See-Art in der Lage, fast alle Gewässer für die Reproduktion zu nutzen. Besonders bevorzugt werden vegetationsreiche, langsam fließende Gräben und kleine Standgewässer mit Wasserried oder Schwimmrasenbeständen. Die Eier werden durch die Weibchen in Pflanzenteile eingebohrt.

    Erythromma viridulum (CHARPENTIER, 1840)
    Nur im Bereich des FND "Westerwiese" bei Unseburg konnte im Bearbeitungszeitraum das Kleine Granatauge nachgewiesen werden. In der aktuellen Roten Liste des Bundeslandes Sachsen-Anhalt ist Erythromma viridulum in die Kategorie 2 (stark gefährdet) eingeordnet.

    Aeshna affinis (VAN DER LINDEN, 1820)
    Diese interessante Anisopterenart konnte 1995 im Bereich der Westerwiese bei Unseburg nachgewiesen werden. In 2 Fällen wurden Paarungen beobachtet. Für Sachsen-Anhalt erfolgte durch PEZOLD (1994) der Erstnachweis der Art im Dessauer Muldenbereich. 1994 gelang MARTENS & GRASSE (1995) ein weiterer Nachweis bei Wahrenberg. Die südliche Mosaikjungfer hat ihr eigentliches Fluggebiet in der Mittelmeerregion, wird aber auch immer wieder in Regionen nördlich der Alpen festgestellt. Der Lebensraum der Art sind stehende Gewässer mit stark verlandeten und verschilften Ufern. Von der Art ist bekannt, daß sie in günstigen Jahren aus südlichen Gegenden bei uns einwandert. Die als mediterrane Invasionsart eingestufte Libellenart war 1995/96 überall im Elbtal und in angrenzenden Bereichen an sommertrockenen Gewässern oftmals in größerer Anzahl anzutreffen (MÜLLER 1995).

    Anax imperator (LEACH. 1815)
    Die große Königslibelle ist eine Art, welche bevorzugt größere stehende Gewässer zur Reproduktion nutzt. Die Hauptflugzeit fällt in die Monate Mai bis September. Bei den Männchen der Art ist ein ausgeprägtes Revierverhalten zu beobachten. Die Art war an allen betrachteten Bergbaufolgegewässern, mit Ausnahme von "Pommesinteich" bei Egeln-Nord, dem Stock´schen Teich bei Wolmirsleben, dem Holl'schen Bruch bei Unseburg, dem Tagebau Löderburg, dem Athenslebener Ackerteich und den Tagebau Westeregeln festzustellen.

    Anax parthenope (SELYS, 1839)
    Vereinzelte bis häufige Funde der kleinen Königslibelle am Pommesinteich" bei Egeln - Nord, dem Großen Schachtsee bei Wolmirsleben, aus dem FND "Westerwiese" bei Unseburg, am Tagebau Löderburg, am Kreuzteich bei Löderburg und an der Jakobsgrube bei Groß Börnecke mit nachgewiesenen Paarungen und Eiablagen belegen die Bodenständigkeit der als südlich verbreitet geltenden Anisopterenart an den Bergbaufolgegewässern der Bodeniesderung.

    Libellula fulva (MÜLLER, 1764)
    Am 18. Juni 1997 wurde ein Exemplar von Libellula fulva im Bereich der Westerwiese bei Unseburg nachgewiesen. Der genaue Fundort befindet sich im äußersten Westteil der Westerwiese an einem kleinen Graben. Dieser ist als Verbindungsgraben zwischen dem "Wolmirsleber Ententeich" und den Gewässern innerhalb der Westerwiese bei Unseburg anzusehen und fließt in östlicher Richtung. Er ist nur temporär wasserführend. Eine Unterwasservegetation fehlt vollständig. Der Graben führt teils durch offenes Gelände, teilweise ist er von dichten Röhrichtbereichen gesäumt. Bereichsweise sind Weidengehölze als Uferbewuchs vorhanden. Bei Wasserführung ist stets nur eine geringe Fließgeschwindigkeit zu verzeichnen. Der Fund von Libellula fulva an dem genannten Graben ist für Sachsen-Anhalt nach dem Fund an einem Verbindungsgraben zwischen der Alten Elbe und dem Elbumflutkanal in der Nähe der Ortslage Pechau im Jahre 1994 (BANK unveröff.) der zweite aktuelle Nachweis der für Sachsen Anhalt seltenen Libellenart. In der Roten Liste der gefährdeten Libellenarten des Landes Sachsen-Anhalt (MÜLLER & BUSCHENDORF 1993) ist die Art in die Kategorie 1 (vom Aussterben bedroht) eingestuft. Insbesondere durch ihre vordergründig leichte Verwechselbarkeit mit anderen Libellulidenarten wird Libellula fulva wahrscheinlich in vielen Fällen bei der Freilandbeobachtung übersehen.

    Sympetrum danae (SULZER, 1776)
    Lediglich aus der Westerwiese bei Unseburg liegen Nachweise der Schwarzen Heidelibelle vor. Hier konnte sie in stark wechselnder Anzahl gelegentlich gefunden werden. Diese euryöke Moor-Art ist in Mitteleuropa weit verbreitet und besiedelt vor allem Pflanzenreiche Moorgewässer. In diesen kommt es unter günstigen klimatischen Bedingungen gelegentlich zu Massenauftreten der Art.

    Sympetrum pedemontanum (ALLIONI, 1766)
    Eine der als gefährdet in der Roten Liste eingestufte Art ist die gebänderte Heidelibelle. Sie ist eine südöstlich verbreitete thermophile Fließwasser-Art und vor allem an Gewässern mit lockerem Wasserried zu finden. An den Untersuchten Bergbaufolgegewässern der Bodeniederung konnte die Art lediglich einmal an der Jakobsgrube bei Groß Börnecke nachgewiesen werden. Weitere Nachweise sind von anderen Örtlichkeiten der Umgebung bekannt, so beispielsweise aus dem Großen Bruch bei Unseburg und der Salzwiese bei Hohenerxleben.

       Diskussion

    Die Plattbauchlibelle (Libellula depressa) ist eine bereits im zeitigen Frühjar erscheinende Art  (Aufn, U. Nielitz)

  • Plattbauch (Libellula depressa)
  • Die nachgewiesenen Libellenarten repräsentieren einen Ausschnitt der typischer Naturausstattung der lokalen Feuchtgebiete am Südrand der Magdeburger Börde. Wie die tabellarische Übersicht erkennen lässt, werden die untersuchten Gebiete sowohl von mediterranen Arten als auch Arten der überleitenden Gruppe und östlichen Arten eurosibirischer Herkunft gemeinsam besiedelt. Dies ist zweifellos durch das spezifische, kleinflächig stark differenzierte Kleinklima der einzelnen Gebiete zu erklären.

    Während einerseits die thermisch anspruchsvolleren Arten (wie z. B. Lestes barbarus, Sympetrum pedemontanum u. a.) im spezifischen Mikroklima der windgeschützt bzw. sonnenexponierten Gebietsteile hinreichende Existenzbedingungen vorfinden, repräsentiert der überwiegende Teil der festgestellten Arten die charakteristische Übergangsfauna zwischen kontinental und atlantisch geprägten Klimabereichen, wie sie für den betrachteten Bereich am Südrand der Magdeburger Börde vielerorts typisch ist.

    Die nach Beendigung des Braunkohlebergbaues entstandenen Gewässer haben sich im Laufe der Jahre zu wertvollen Sekundärbiotopen mit reichhaltiger Naturausstattung entwickelt. Sie stellen inzwischen eine wertvolle Bereicherung der Biotopausstattung im Bereich der ansonsten durch großflächig intensiv bewirtschafteten Agrarflächen geprägten südlichen Magdeburger Börde dar. Fast alle dieser Bergbaufolgegewässer besitzen eine besondere Bedeutung für die Odonatenfauna der Bodeniederung und der angrenzenden Bereiche.

       Literatur

    • DONATH, H. (1987): Vorschlag für ein Libellenindikatorsystem auf ökologischer Grundlage am Beispiel der Odonatenfauna der Niederlausitz - Ent. Nachr. Ber. 31 (5): 213-217.
    • LOTZING, K., MÜLLER, J u. D. SPITZENBERG (1979): Charakterisierung der Libellenfauna (Ins., Odonata) der Westerwiese Unseburg (Kreis Staßfurt) - Abh. Ber. Mus. Naturknd. Vorgesch. Magdeburg 12 (2): 78-82.
    • LOTZING, K. (1987): Beiträge zur Faunakartierung des Kreises Staßfurt. 2. Die Segellibellen - Abh. Ber. Mus. Naturknd. Vorgesch. Magdeburg 13: 85-93.
    • LOTZING, K. (1989): Beiträge zur Faunakartierung des Kreises Staßfurt. 3. Die Kleinlibellen (Teil 1) - Abh. Ber. Mus. Naturknd. Vorgesch. Magdeburg 14: 17-24.
    • LOTZING, K. (1991): Beiträge zur Faunakartierung des Kreises Staßfurt. 4. Die Großlibellen - Familien Edellibellen und Falkenlibellen - Abh. Ber. Mus. Naturknd. Vorgesch. Magdeburg 15: 73-82.
    • LOTZING, K. (1998): Kurzübersicht der im Zeitraum 1980 bis 1996 im Gebiet des ehemaligen Landkreises Staßfurt festgestellten Odonatenarten. - Pedemontanum, Mitt.-Bl. der AG Odonatenfauna Sachsen-Anhalt der Entomologenvereinigung Sachsen-Anhalt e.V. 2: 2-3, Magdeburg (Februar 1998).
    • LOTZING, K. (1996): Ein Beitrag zum aktuellen Kenntnisstand der Verbreitung von Calopteryx splendens HARRIS in Sachsen-Anhalt. - Ent. Nachr. Ber. 40 (1): 23-26.
    • MÜLLER, J. & J. BUSCHENDORF (1993): Rote Liste der Libellen des Landes Sachsen-Anhalt. - Ber. des Landesamtes für Umweltschutz Sachsen-Anhalt 9: 13-16
    • MÜLLER, J. (1994): Die Libellenfauna und deren Gefährdungsstatus im Land Sachsen-Anhalt. - Mitt.-Bl. der EVSA e.V. 2: 39-52.
    • MÜLLER, J. (1996): Zoogeographische und ökologische Analyse der Libellenfauna (Insecta, Odonata) des Landes Sachsen-Anhalt - Abh. Ber. Naturknd. Magdeburg 19: 3-11.
    • ST. QUENTIN, D. (1960): Die Odonatenfauna Europas, ihre Zusammensetzung und Herkunft. - Zoologische Jahrbücher, Abteilung 1 (Systematik Geographie und Biologie der Tiere), 87 (4/5): 301-316.