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Zusammenfassung Bei aktuellen Untersuchungen im Naturschutzgebiet „Salzstelle Hecklingen" (Sachsen - Anhalt) konnten seit 1992 insgesamt 21 Tagfalterarten (Hesperioidea, Papilionoidea) nachgewiesen werden. Die Funde von Clossiana dia (Linnaeus, 1767) und Heodes virgaureae (Linnaeus ,1758) sind besonders bemerkenswert.
Summary The topical butterfly fauna (Lep., Hesperioidea, Papilionoidea) of the nature reserve “Salzstelle Hecklingen" in the county Aschersleben – Staßfurt (Sachsen – Anhalt). By topical investigations at the nature reserve “Salzstelle Hecklingen" (Sachsen - Anhalt) could be proved 21 species of Butterflies (Hesperioidea,. Papilionoidea) since 1992. Findings of Clossiana dia (Linnaeus, 1767) and Heodes virgaureae (Linnaeus, 1758) are especially remarkable.
Einleitung Natürliche Binnenlandsalzstellen nehmen in der umgebenden Kulturlandschaft relativ seltene Sonderstellungen ein. Das NSG „Salzstelle Hecklingen" im Landkreis Aschersleben - Staßfurt beinhaltet eine Fläche von etwa 15 ha und ist gemäß Anhang I der „Richtlinie 92 / 43 / EWG des Rates vom 21. Mai 1992 zur Erhaltung der natürlichen Lebensräume sowie der wildlebenden Tiere und Pflanzen" als prioritärer Lebensraum anzusehen. Durch natürliche Solezuflüsse ist das Wasser und der Boden mehr oder weniger salzangereichert, hauptsächlich durch Kochsalz. Der unterschiedliche Salz- und Wassergehalt des
Bodens hat auf engstem Raum zu einer deutlichen Vegetationszonierung geführt, welch auch eine große Faunenvielfalt auf engstem Raume zur Folge hat.
Da vom NSG „Salzstelle Hecklingen" bisher keine speziellen Publikationen zur Falterfauna vorliegen, lediglich einige Microlepidopterenfunde sind bei Soffner (1971) genannt, soll an dieser Stelle dieser bestehende Mangel durch erste Ergebnisse zur aktuellen Tagfalterfauna verringert werden. Dies erscheint im Hinblick auf die Tatsache, daß das NSG „Salzstelle Hecklingen“ allgemein, sowohl in botanischer als auch in faunistischer Hinsicht als relativ gut inventarisiert gelten kann und lediglich lepidopteriologisch große Lücken vorhanden sind, als besonders angebracht.
Material und Methode Im Rahmen langjähriger Erfassungen der Tagfalterfauna im ehemaligen Landkreis Staßfurt erfolgten seit 1992 auch umfangreiche Bestandserhebungen im Bereich des NSG „Salzstelle Hecklingen". Besonders in den Jahren 1994 bis 1999 war das NSG häufig Ziel von Erfassungsbegehungen. Im Rahmen einer Untersuchung für den Pflege- und Entwicklungsplan für das genannte Naturschutzgebiet erfolgte zwischen April und Oktober 1996 ebenfalls eine Erfassung der Tagfalter des NSG. Die Ergebnisse dieser Erhebung wurden mit in die Auswertung einbezogen. Die Artregistrierung erfolgte durch Abschätzen der
Anzahl der angetroffenen Tiere bei den Exkursionen. Dabei wurden die Arten durch Sichtnachweise oder mittels Kescherfang bestimmt. Nach erfolgter Artbestimmung wurden die Tiere wieder unbeschadet in Freiheit entlassen. Lediglich bei schwer zu bestimmenden Arten erfolgte eine Artbestimmung nach Präparation. Es wird eingeschätzt, daß eine relativ umfassende Erfassung der im Bereich der Salzstelle vorkommenden Tagfalterarten erfolgt ist. Hinsichtlich der Systematik und Nomenklatur wird Leraut (1980) gefolgt.
Der Untersuchungsraum
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Das Naturschutzgebiet “Salzstelle bei Hecklingen” |
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Kurzcharakteristik(Lau 1997) : NSG „Salzstelle Hecklingen", Codierung: NSG 0035M, Größe: 14,76 ha, Regierungsbezirk: Magdeburg, Landkreis: Aschersleben-Staßfurt,
Verordnungen: VO v. 25.01.1926 (Amtsbl. f. Anhalt. - 163(1926)9 v. 02.02.1926); Beschl. BT Magdeburg v. 05.07.1978 - Erweit.; Beschl. BT Magdeburg v. 31 .10.1985 - Flächenaustausch
Das NSG (64-66 m ü. NN) liegt 1 km östlich von Hecklingen. Hier steigen unter Druck stehende salzhaltige Tiefenwässer aus dem abgelaugten Zechsteinsalinar des Staßfurt-Egelner Sattels über tektonische Störungen des Buntsandsteindeckgebirges an mehreren Stellen bis zur Erdoberfläche auf und werden durch angelegte Gräben abgeleitet. Die Salzstelle bei Hecklingen ist auch geowissenschaftlich von Bedeutung und wird als geschützter Geotop geführt. Durch die Solquellen und das salzhaltige Grundwasser ist der Boden mehr oder weniger stark salzangereichert. Der unterschiedliche Salz- und Wassergehalt des Bodens hat auf engstem Raum zur Ausbildung einer deutlichen Vegetationszonierung geführt, deren
Gesellschaften sich durch einen hohen Anteil an Salzsteppenpflanzen mit südeuropäischem und südeurasischem Verbreitungsschwerpunkt auszeichnen. Die Grabenränder im Südwestteil werden v. a. von dichtem Schilfröhricht mit stellenweisen Häufungen des Echten Eibisch und der Strandsimse besiedelt. Letztere Art bildet dort eine eigene Gesellschaft . In den Gräben sind Salzbunge und Sumpf-Teichfaden vertreten. An den Grabenrändern im Übergangsbereich zu halophilen Wiesengesellschaften gedeihen bevorzugt Sellerie und Großes Flohkraut. Charakteristische Arten der kleinflächigen Salzwiesen, -weiden und -trittrasen sind neben Weißem Straußgras u. a. Erdbeer-Klee, Schmalblättriger Hornklee, Salztäschel,
Sumpf-Dreizack, Wiesen-Gerste und Entferntährige Segge. Im Westteil des Gebietes schließt sich die Salzschwaden-Strandaster-Gesellschaft an. Kleinflächig siedelt in feuchten Senken die Salzbinsen-Milchkraut-Gesellschaft. Im Übergangsbereich zu den fast ausschließlich vom Queller und gelegentlich eingestreuter Strand-Sode bestandenen Salzschlickstandorten siedeln Salz-Spärkling und Flügelsamiger Spärkling.
In entomologischer Hinsicht zeichnet sich das NSG „Salzstelle Hecklingen“ durch das Vorkommen einer Vielzahl von halobionten und halophilen Insektenarten aus. Ein umfassender Überblick über die Carabidenfauna des Gebietes findet sich bei Ciupa (1992). Als für Mitteleuropa besonders bemerkenswert hervorzuheben ist der Nachweis der südeuropäisch verbreiteten Strandbremse Hybomitra expolicata. An bemerkenswerten Microlepidopteren werden für das NSG „Salzstelle Hecklingen“ Crambus salicorniae, Bucculatrix maritima und Coleophora salicorniae genannt (Lau1997).
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Wiss. Artname
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EA
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ÖG
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RL LSA
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Thymelicus sylvestris Poda
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MU
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Ochlodes venatus Bremer
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Papilio machaon L.
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MO
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Colias hyale L.
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Pieris brassicae L.
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Pieris rapae L.
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Pieris napi L.
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Pontia daplidice L.
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1
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XO
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Inachis io L.
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U
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Vanessa atalanta L.
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v
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U
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Cynthia cardui L.
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Aglais urticae L.
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Issoria lathonia L.
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U
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Clossiana dia L.
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v
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MU
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2
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Melanargia galathea L.
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MO
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Maniola jurtina L.
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v
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U
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Aphantopus hyperantus L.
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MO
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Coenonympha pamphilus L.
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MO
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Lasiommata megaera L.
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MO
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Heodes virgaureae L.
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v
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MU
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3
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Polyommatus icarus Rott.
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h
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U
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Tabelle 1: Übersicht zum Artenvorkommen im NG „Salzstelle Hecklingen" mit Angaben zur Häufigkeit (EA), ökologischen Gruppe (ÖG) und zur Rote Liste Einstufung für Sachsen - Anhalt (RL LSA).
Für die Zuordnung zu entsprechenden ökologischen Gruppen (ÖG) nach Reinhardt &. Thust (1988) wurden folgende Kürzel verwendet:
- U - Ubiquisten (dominierender ökologischer Faktor: keiner)
- MO - Mesophile Offenlandarten (dominierender ökologischer Faktor: Toleranz für breites Faktorenspektrum)
- MU - Mesophile Übergangsarten (dominierender ökologischer Faktor: Toleranz für breites Faktorenspektrum mit Bevorzugung von Gehölzbereichen)
- XO - Xerothermophile Offenlandarten (dominierender ökologischer Faktor: trockenwarmer Biotopcharakter)
Neben der zusammenfassenden Übersicht (Tabelle) dokumentiert eine kommentierte Artenliste die festgestellte Tagfalter-Fauna des NSG „Salzstelle bei Hecklingen":
Insgesamt konnten im Gebiet des NSG „Salzstelle Hecklingen" 21 aktuell vorkommende Tagfalterarten festgestellt werden. Hinsichtlich ihrer Zuordnung zu ökologischen Gruppen sind 11 Arten als Ubiquisten einzuordnen. 6 Arten gehören zur Gruppe der mesophilen Offenlandarten, 3 sind als mesophile Übergangsarten einzustufen und lediglich eine Art gehört zu den xerothermophilen Offenlandarten. Bemerkenswert aufgrund der allgemeinen Gefährdung erscheint das Vorkommen von Clossiana dia (Linnaeus, 1767) und Heodes virgaureae (Linnaeus, 1758). Beide Arten sind in der Roten Liste des Bundeslandes Sachsen - Anhalt als stark gefährdet bzw. gefährdet eingeordnet. Für das Gebiet des NSG „Salzstelle Hecklingen“ betrachtet ergibt sich aus der
aktuellen Erfassung die Tatsache, daß die Tagfalterfauna im Vergleich zu umliegenden naturnahen Bereichen in der Bodeniederung keine Besonderheiten aufzuweisen hat. Insbesondere in Hinsicht auf eine Beeinflussung der Tagfalterfauna durch die vorhandene Salzpflanzenvegetation ergeben sich keine Hinweise. Der Einzelnachweis eines Tieres von Pontia daplidice (Linnaeus, 1758) deutet darauf hin, das es sich hierbei um ein zugeflogenes Stück von außerhalb des NSG handelt.
Danksagung Die Untersuchungen in den bearbeiteten Gebieten wurden durch Genehmigungen der jeweils zuständigen Naturschutzbehörden in dankenswerter Weise ermöglicht. Weiterhin gedankt sei an dieser Stelle Herrn Dr. Werner Malchau, BUNat Schönebeck, für die Überlassung von Untersuchungsdaten im Zusammenhang mit Projektbearbeitungen. Ebenso gilt mein Dank den Mitgliedern der Fachgruppe „Faunistik und Ökologie“ Staßfurt für die Unterstützung bei den Untersuchungen und für die Mitteilung eigener Funde.
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