Beitrag zum Vorkommen von Wildrosen und ihrer Verbreitung in und um Staßfurt

von Karla Gruschwitz

 

Rosa subcanina; Aufn. K. Gruschwitz

  • Rosa subcanina, Falsche Hunds-Rose
  • Wenn ich mit Kindern unterwegs bin und ihnen einen Rosenbusch vorstelle, erhalte ich regelmäßig die gleiche Antwort: „Das ist ein Hagebuttenstrauch“. Hagebuttentee haben alle Kinder schon einmal getrunken und weil er ihnen gut geschmeckt hat verbinden sie den Namen mit dem Strauch.

     

    Dass Wildrose nicht gleich Wildrose ist und gerade sich die Hagebutten deutlich voneinander unterscheiden, war mir schon immer bekannt. Aber am genauen Bestimmen bin ich dann letztlich gescheitert. Wenn man die Verbreitungskarten der Farn- und Blütenpflanzen Ostdeutschlands (Benkert et al. 1996) hinsichtlich der Rosen studiert, stellt man schnell fest, dass sich im Staßfurter Raum „weisse Flecken auf der Landkarte“ befinden. In der alten Literatur fand ich bei Ebert (1929) sieben Angaben, die sämtlich auf Funde um die Jahrhundertwende zurückgehen. Becker (1934) weist in der „Flora von Stassfurt und seiner Umgebung“ sechs Rosenarten aus, wobei er Rosa rubiginosa und Rosa agrestis selbst nicht gefunden hat. Er führt außerdem auf: Rosa tomentosa, Rosa pomifera, Rosa majalis in Giersleben und natürlich Rosa canina. Rosa lutea, die Zschacke (1894) aus dem Weinbergsgrund angab und die immer noch (zu Recht ?) in der „Neue Flora von Halberstadt“ (Herdam 1993) steht, nennt er nicht

    Rosa gallica; Aufn. K. Gruschwitz

  • Rosa gallica, Essig-Rose
  • Als ich Ende August 1998 das Angebot des Umweltbildungszentrums Saale-Unstrut e.V. Nebra zu einer Fachveranstaltung unter dem Thema „Einheimische Wildrosen und ihre Merkmale“ erhielt, nutzte ich die Gelegenheit, an diesem Bestimmungslehrgang teilzunehmen. Die Leitung dieses Kurses hatte Herr Dr. Heinz Henker (Neukloster). In Theorie und Praxis lernten wir alles über Wildrosenbestimmung. Dabei merkte ich sehr schnell, dass man einzelne Arten über das ganze Jahr beobachten muß, wenn man sichere Ergebnisse erzielen will. Zum besseren Verständnis dieses Artikels möchte ich wenigstens die Grobeinteilung der heimischen Wildrosen wiedergeben. Sie werden  in die Gruppen Hundsrosen, Filzrosen und Weinrosen eingeteilt. Filzrosen haben ihr natürliches Verbreitungsgebiet mehr im nördlichen Raum, bzw. in den Gebirgen. Weinrosen sind wärmeliebend und bevorzugen Kalkböden. Klimatisch am anspruchslosten sind Hundsrosen. Hier in der Börde bilden sie mit der Korkulme Gebüschsäume, das „Roso caninae-Ulmetum suberosae“ (Runge 1990)

    Rosa rubiginosa; Aufn. K. Gruschwitz

  • Rosa rubiginosa, Weinrose
  • Zuerst stellte es sich heraus, dass nicht die Hundsrose (Rosa canina) die häufigste Art ist, sondern die Fast-Hundsrose (Rosa subcanina). Sie wächst an allen Straßenrändern, auf Kippen genauso wie in Steinbrüchen und Kiesgruben. Die Neupflanzungen im Staßfurter Stadtgebiet und in den Windschutzstreifen der näheren Umgebung bestehen größtenteils aus nicht einheimischen Arten. Wir finden überwiegend die Kartoffelrose (Rosa rugosa) aus Südostasien, die Vielblütige Rose (Rosa multiflora) ebenfalls aus Südostasien, die Rotblättrige Rose (Rosa glauca) aus den Kalkalpen und die Weiße Rose (Rosa „Laxa)“, eine Varietät von Rosa corymbifera, die von den Gärtnern weitergezüchtet ist als Veredelungsunterlage. Man findet sie auch in Gärten als durchgeschlagene Unterlage wieder. Im nächsten Jahr wird überprüft werden, ob die weißblühenden Heckenrosen in den Windschutzstreifen ebenfalls Rosa „Laxa“ sind.

    Eine angenehme Überraschung stellt die Filzrose (Rosa pseudoscabriuscula) dar, die wahrscheinlich mit Ausbau des Strandsolbades dort angepflanzt wurde. Die Rauhblättrige Rose (Rosa jundzillii) wurde auf dem Spielplatz Kalistr. in Staßfurt angepflanzt. Zu dieser Art gehört auch Hampes Rose, die heute als Rosa jundzillii var. hampeana eingeordnet wird. Hampe (1873) hatte diese Rose an der Roßtrappe gefunden und sie wird auch heute noch von dort angegeben. Die Mai- oder Zimt-Rose (Rosa majalis) hat in einem alten Garten in Hecklingen überlebt und bildet ein prächtiges Gebüsch. Es handelt sich hier um eine nord- und osteuropäische Rose, die in den Alpen noch ein nacheiszeitlich isoliertes Vorkommen hat. Die Essigrose (Rosa gallica) stammt ursprünglich aus dem mediterranen Raum. Als alte Kulturpflanze ist ihre Verbreitungsgrenze nach Norden nicht mehr festzustellen. Unser Essigrosenfund wird wohl mit dem Bau der Eisenbahnstrecke Staßfurt nach Hecklingen im 19. Jahrhundert einen unbeschrankten Bahnübergang gekennzeichnet haben. Sie ist halbgefüllt und verströmt einen kräftigen Rosenduft. Der Standort ist mir schon seit meiner Kindheit vertraut. 1947 diente sie als Ziegenfutter. Ansonsten bevorzugen Schafe und Ziegen Arten der Weinrosengruppe. Sie werden ratzekahl abgefressen, während die Hundsrosen unbehelligt stehen bleiben.

    Rosa rugosa; Aufn. K. Gruschwitz

  • Rosa rugosa, Kartoffel-Rose
  • Vom Formenkreis der Weinrosen wurden die meisten Arten gefunden: Rosa rubiginosa, Rosa elliptica, Rosa micrantha und Rosa agrestis. Ihr Standort sind wärmebegünstigte Stellen wie die Täler um Hecklingen und die Kippe an der Jakobsgrube; auch auf dem Gelände der Sodawerke wurde ein Fund gemacht. Die Feldrose (Rosa agrestris) wurde bei einer gemeinsamen Exkursion von Chr. Bank in dem kleinen Steinbruch söstl. von Hohenerxleben entdeckt. Den ersten Fund einer Kleinblütigen Rose (Rosa micrantha) in unserem Gebiet machte die 13-jährige Schülerin Eva Fabian im Weinbergsgrund. Nachdem ich den Kindern vorher den Unterschied zwischen Wein- und Hundsrose am lebenden Strauch erklärt hatte, fand sie einen Busch, der ihrer Meinung nach andere Butten hatte und auch anders roch. Die spätere Nachsuche ergab noch zwei weitere Fundpunkte der Rosa micrantha um Hecklingen.

    Rosa glauca; Aufn. K. Gruschwitz

  • Rosa glauca, Hecht-Rose
  • Zwei von mir in den Hecklinger Tälern Griesegrund und Weinbergsgrund gefundene zweifelhafte Rosa rubiginosa determinierte Herr Dr. Henker als Keilblättrige Rose (Rosa elliptica). Sie ist noch nie für unser Gebiet angegeben worden. Die in der alten Literatur angegebenen Rosa agrestis-Funde im  Hecklinger Burgtal und in Groß Börnecke waren wohl auch  Rosa elliptica, da diese beiden Arten ähnliche Bestimmungsmerkmale haben. Bei einer von mir als Virginische Rose angesprochenen Art handelt es sich um einen Bastard aus dem Formenkreis der nordamerikanischen Carolina-Rosen. Ein anderer Bastard ließ sich dagegen bestimmen: R. rubiginosa x micrantha. Die Butten des Bastards enthielten sogar keimfähige Samen (mündliche Mitteilung von Dr. Henker). Zu erwarten im Gebiet ist sicher noch die Heckenrose (Rosa corymbifera).

    Für die Bestimmung verwende ich den Schlüssel von Henker & Schulze (1993), ebenso folge ich den dortigen Nomenklaturangaben. Als weitere Bestimmungshilfe nutze ich Timmermamm & Müller (1994).

    Zur Verbreitung der aktuell vorkommenden Wildrosen nachfolgende Übersicht (die Namen der heimischen wildwachsenden Rosen sind andersfarbig hinterlegt):

     

     

    Wissenschaftlicher Name

     

    Deutscher Name

    Meßtischblatt /Quadrant

    4134/2

    4135/1

    4135/2

    4135/3

    4135/4

    4136/3

    Rosa agrestis

    Feld-Rose

     

     

     

     

     

          +

    Rosa canina

    Hunds-Rose

         +

    +

        +

         +    

        +

          + 

    Rosa deseglisei

    Hecken-Rose

     

    +

        +

     

     

     

    Rosa dumalis

    Vogesen-Rose

     

    +

     

     

     

     

    Rosa elliptica

    Keilblättrige Rose

        

    +

     

         +

     

     

    Rosa gallica

    Essig-Rose

     

     

     

         +

     

     

    Rosa glauca

    Hecht-Rose

     

    +

        +

         +

         +

         +

    Rosa jundzillii

    Rauhblättrige Rose

     

     

        +

     

     

     

    Rosa majalis

    Zimt-Rose

     

     

     

         +

     

     

    Rosa micrantha

    Kleinblütige Rose

     

    +

     

         +

     

     

    Rosa multiflora

    Büschel-Rose

     

    +

         +

         +

         +

     

    Rosa nitida

    Glanz-Rose

     

    +

     

     

     

     

    Rosa pimpinellifolia

    Bibernell-Rose

     

    +

     

     

     

     

    Rosa pseudoscabriuscula

    Filz-Rose

     

     

     

     

         +

     

    Rosa rubiginosa

    Wein-Rose

         +

    +

     

         +

     

     

    Rosa rugosa

    Kartoffel-Rose

     

    +

         +

         +

         +

     

    Rosa rugotida

    Dünen-Rose

     

    +

     

     

     

     

    Rosa scabriuscula

    Kratz-Rose

     

    +

     

     

     

     

    Rosa subcanina

    Falsche Hunds-Rose

        +

    +

         +

         +

         +

         +

    Rosa x virginiana

    Virginische Heckenrose

     

    +

     

     

     

     

     

    Zusammenfassend kann ich feststellen, dass im Staßfurter Raum 20 Wildrosenarten vorkommen. Davon sind sechs Arten ursprünglich. Sie sind in der Tabelle grau hinterlegt. Rosa pseudoscabriuscula und Rosa jundzillii, die in Sachsen-Anhalt durchaus heimisch sind, wurden nicht wildwachsend gefunden. Mit der Feststellung der heimischen Arten können nun den zuständigen Ämtern bei vorgesehenen Pflanzungen Hinweise gegeben werden.

     

       Literatur:

    • Becker, A. (1934): Die Flora von Stassfurt und seiner Umgebung. – Selbstverlag, Staßfurt.
    • Benkert, D., Fukarek, F. & H. Korsch (1996): Verbreitungsatlas der Farn- und Blütenpflanzen Ostdeutschlands. – Gustav Fischer Verlag, Jena
    • Ebert, W. (1929): Flora des Kreises Bernburg und der angrenzenden Gebiete. – Verlag Gustav Kunze, Bernburg.
    • Hampe, E. (1873): ): Flora Hercynica  oder Aufzaehlung  der im Harzgebiete wildwachsenden Gefaeßpflanzen. Nebst einem Anhange, enthaltend die Laub- und Lebermoose. – Halle.
    • Henker, H. & G. Schulze (1993): Die Wildrosen des norddeutschen Tieflandes. – Gleditschia Berlin 21 (1): 3-22.
    • Herdam, H. (1993): Neue Flora von Halberstadt. – Botanischer Arbeitskreis Nordharz e. V., Quedlinburg.
    • Runge, F. (1990): Die Pflanzengesellschaften Mitteleuropas. – Aschendorffsche Verlagsbuchhandlung, Münster.  
    • Timmermann, G. & T. Müller (1994): Wildrosen und Weißdorne Mitteleuropas. Landschaftsgerechte Sträucher und Bäume. – Verlag des Schwäbischen Albvereins e.V., Stuttgart.
    • Zschacke, H. (1894): Zur Flora von Hecklingen und Sandersleben II.. – Deutsche bot. Monatsschr. 12: 82-85.