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Der Harz als Deutschlands nördlichstes Mittelgebirge mit Höhen über 1000 m ü. NN hat bereits seit jeher zahlreiche Koleopterologen angezogen. Erinnert sei u. a. an die Altmeister G. Panzer, der schon im 18. Jahrhundert Arten aus dem Brockengebiet - u. a. einen Elater bructeri (Limonius aeneoniger) - sowie E. F. Germar, der einen Othiorrhynchus bructeri (Othiorhynchus nodosus) beschrieben hat:
- Panzer, Georg Wolffgang Franz (1795): Deutschlands Insektenfauna oder Entomologisches. Taschenbuch für 1795. Nürnberg.
- Panzer, Georg Wolffgang Franz (1793-1844): Faunae insectorum Germaniae initia. Nürnberg.
- Germar, Ernst Friedrich (1824): Insectorum Species novae aut minus cognitae. Vol. 1. Coleoptera. Halae.
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- Bode bei Treseburg, erste Eutrophierungserscheinungen z. B. nach Anbindung von Forellenzuchtanlagen sind bemerkbar
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Wenn sich jedoch die Thematik auf gewässerbewohnende Käfer beschränkt, ist leicht festzustellen, dass die vorhandene Datenlage erheblich geringer ausfällt. Sie wird geradezu spärlich, wenn eine Konzentration auf die Fließgewässer des Harzes und ihre (koleopterologischen) Bewohner erfolgt. Hinsichtlich der koleopterologischen Erfassung der Bäche und Flüsse des Harzes ist offensichtlich ein enormes Defizit vorhanden, das auch trotz einiger sporadischer Aufsammlungen (z. B. von R. Bellstedt im südlichen Bereich des Harzes; P. Haase für den niedersächsischen Teil des Harzes) in jüngerer Zeit nur unbefriedigend getilgt werden konnte.
In Kenntnis dieser vorhandenen Wissenslücken erfolgte bereits ab 1986 durch den Autor eine mehr oder weniger systematische Erfassung der Fließgewässer des Harzes, die nunmehr über 250 Beprobungen unterschiedlichster Fließgewässer umfasst. Eine ausführliche Darstellung der erreichten Ergebnisse erfolgte bislang allerdings nicht. Lediglich eine Kurzfassung wurde im Mitteilungsblatt der Arbeitsgruppe Wasserkäfer publiziert:
- Spitzenberg, D. (2000): Zur rheophilen Coleopterenfauna des Harzes. - Mitteilungsblatt der AG Wasserkäfer. Rundschreiben Nr. 3, Juni 2000.
An dieser Stelle sollen deshalb die Ergebnisse der nunmehr bereits über einen Zeitraum von knapp zwei Jahrzehnten erfolgten Erfassungen dargestellt und bekannt gemacht werden, ohne jedoch einer geplanten ausführlichen Publikation vorgreifen zu wollen.
Klimatische Bedingungen
Die Luftbewegungen im Bereich des Harzes sind zu ca. 70% durch nordwestliche bis südwestliche (atlantisch feuchte) Strömungen gekennzeichnet. Damit liegt der Westteil des Harzes (Oberharz, Hochharz) bis in das Brockengebiet hinein im atlantisch geprägten Luv-Bereich (regnerisch - windig) mit entsprechend erhöhten Bewölkungs- und Niederschlagswerten sowie einer niedrigeren Durchschnittstemperatur. Im (etwas mehr kontinental geprägten) Lee-Bereich des Mittleren und Unteren Harzes fallen dagegen erheblich geringere Niederschläge, bei durchschnittlich höherer Jahresmitteltemperatur (jeweils auf die Höhenlage bezogen).
Die Barrierefunktion des Gebirgszuges zwingt die atlantisch feuchten Luftmassen zum Aufsteigen, wobei die Stauerscheinungen vielfach ein Abregnen im westlichen Harz und im Brockenbereich verursachen. Dem gegenüber ist im Bereich des nordöstlichen Harzes mit verstärkten Fönprozessen zu rechnen.
Auf Grund dieser Situation sind für den Hochharz mehr als 75 Nebeltage / Jahr (Brocken 284 Nebeltage / Jahr !); ca. 900 mm Niederschlag / Jahr (Brocken ca. 1600 mm / Jahr) und eine Durchschnittstemperatur (Brocken) im Sommer (Juli) von 10,2°C sowie im Winter (Januar) von -2,8°C kennzeichnend. Auf Grund der Lage im Windschatten des Hochharzes sinken die jährlichen Niederschlagsmengen zum östlichen Harzrand rapide ab (Mansfelder Hügelland ca. 600 mm / Jahr, Nordöstlichen Harzvorland ca. 450 mm / Jahr).
Bezogen auf vergleichbare Höhenlagen gilt der Harz somit als das kälteste Mittelgebirge Deutschlands (Nach Schwietert, 1989, zit. in Matschullat & Pardey 1994).
Weitere Angaben zum Klima und zum aktuellen Wetter finden sie hier.
Zur geologische Situation
Mit der variszischen und der saxonischen Gebirgsbildung und den damit einhergehenden endogenen (Faltung und Hebung) und exogenen (Abtragung und Verwitterung) Reliefveränderungen entstand eine geologische Grundstruktur, die in den eigentlichen Harzlagen wesentlich durch großflächige Formationen gekennzeichnet ist (Elbingeröder Kalkkomplex, Tanner Grauwackenzug, Ramberg- / Brocken-Granit). Im Detail tragen jedoch eine Vielzahl tektonischer Störungen zu einem recht differenzierten und inhomogenen Gesamtbild bei.
In den nördlichen und südlichen Harzrandlagen des als Pultscholle bezeichneten Gebirgszuges sind hingegen schmale und kleinflächig lineare Strukturen wechselnder Formationen aus Perm, Trias, Jura und Kreide (Zechstein, Buntsandstein, Muschelkalk) anzutreffen, die überwiegend auf die saxonischen Gebirgsbildung mit der damit einhergehenden, teilweise über 90° erfolgten Aufrichtung der Schichten (Subherzynes Becken am Harznordrand) zurückzuführen sind.
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Ausschnitt der geologischen Formationen des östlichen Harzes |
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Mit dem Rambergmassiv bei Thale und dem eigentlichen Brockenmassiv sind Urgesteinsformationen (Granite) aus der Zeit des Oberkarbon bis Rotliegend ausgebildet, die sich durch einen wesentlichen Einfluss sowohl chemischer (saure Gesteinsformationen) als auch physikalischer Faktoren (Verwitterungserscheinun g mit kleinkörnigem Granitgrus) auf die rheophile Coleopterenfauna auszeichnen. So war die Feststellung bemerkenswert, dass im Bereich dieses Urgesteins von Brocken- und Rambergmassiv keine oder nur eine sehr geringe Besiedlung der Fließgewässer mit Arthropoden erfolgt. Offensichtlich trägt der sich bildende Verwitterungsschutt (feinkörniger Granitgrus) in Verbindung mit strömungsbedingten Umlagerungen zum “Zermahlen” einer rheophilen Fauna bei.
Angrenzend an diese magmatischen Eruptivgesteine befinden sich vielfach kontaktmetamorph veränderte Gesteine (Hornfelsen), die als Folge extremer Temperatureinflüsse entstanden sind. Basische Gesteine vulkanischen Ursprungs aus dem Unterrotliegen (Melaphyr, Porphyrit) finden wir im Südharz nördlich Ilfeld.
Die nach der Faltung und Heraushebung einsetzende Verwitterung und Abtragung führte dazu, dass sich große Schuttströme (Olisthostrome) in die vorhandenen Senken bewegten (Ilfelder und Meisdorfer Becken), die heute als Konglomerate in einer Tonschiefergrundmasse, teils mit eingeschlossenen Diabas- oder Kalkvorkommen (Olistholite) vorliegen. Während der erneuten Meeresbedeckung bildeten sich schließlich die Ablagerungen des Elbingeröder Kalk-Komplexes, der durch das geringe Vorhandensein von Fliegewässern in gewisser Hinsicht limitierend auf die rheophile Coleopterenfauna wirkt. Letztlich wurden mit der saxonischen Gebirgshebung (vor ca. 50 Millionen Jahren) maßgeblich die an den Harzrandgebieten vorhandenen Strukturen gebildet.
Einer besonderen Erwähnung bedarf noch die Karstlandschaft des Südharzes. Das aus der Formation des Zechstein stammende Sulfatgestein (Gips, Anhydrit) wurde und wird durch zirkulierende Wässer ausgelaugt und abgetragen, so dass sich eine von West nach Ost erstreckende Senke entlang des südlichen Harzrandes bildete. Bäche wie Thyra, Nasse und Gonna durchbrechen an Störungsstellen den vorhandenen Auslaugungswall. Streng genommen zählt das Gebiet des Südharzer Gipskarstes nicht zur eigentlichen (geologischen) Landschaftseinheit des Harzes; es wird jedoch aufgrund der vorhandenen Morphologie in der Regel mit einbezogen.
Die gewässerbezogenen Charakteristika
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Übersicht der im sachsen-anhaltischen Teil des Harzes vorhandenen Fließgewässer (Aus Arten- u. Biotopschutzprogramm Harz des Landes Sachsen-Anhalt |
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Aufgrund der geomorphologischen Ausgestaltung des Harzreliefs und der damit einhergehenden Hauptwasserscheide zwischen Weser und Elbe lassen sich für den sachsen-anhaltischen Teil des Harzes die Fließgewässer hinsichtlich ihrer Entwässerungsrichtung unterschiedlich einteilen. Überwiegend weisen die Fließgewässer eine Abflussrichtung zum Saale-Elbe-System auf. Lediglich der Einzugsbereich von Ecker und Ilse (nördliches und nordöstliches Brockenmassiv) entwässert zum Aller-Weser-System hin.
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