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Erhalt der Kiesgrube Friedrichshall - ein Sekundärbiotop als Lebensraum
von D. Spitzenberg
Die Kiesgrube Friedrichshall, auch Kiesgrube WIFO genannt, östlich der Stadt Staßfurt wurde bereits zu Beginn des 20. Jahrhunderts in Betrieb genommen. Der Staßfurter Heimatforscher Adolf Becker (1871-1952) erwähnt sie mehrfach in seinen geologischen Arbeiten zwischen 1910 und 1930. Die Lage der Kiese über dem oberen Buntsandstein, unmittelbar an der Flanke des Staßfurt-Oscherslebener Salzsattels, machte die freigelegten Aufschlüsse hinsichtlich der Eiszeiten geologisch interessant. Eine tonig-lehmige Schluffschicht grenzt die Kiesschichten gegen den Buntsandstein ab und bedingt dadurch eine gewisse Wasserhaltung.
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Blick auf den verlandeten Bereich der Kiesgrube Friedrichshall südöstlich von Staßfurt |
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Was nach dem Kiesabbau blieb, ist auf Grund der geologischen Situation auch ökologisch bemerkenswert. Schon bald nach der Stillegung der Kiesgrube im Jahre 1943 konnte ein Vorkommen des Schmalblättrigen Wollgrases festgestellt werden. Diese typische Hochmoorpflanze siedelt nur auf bodensauren, nassen Standorten. Die Kiesgrube blieb daher der einzige Fundort in der näheren Umgebung. Eine leichte Salzbeeinflussung durch die Verkippung von Abraummassen des Salzschachtes Friedrichshall am Rand des Gebietes bewirkte, dass sich außerdem ein Reihe von Salzpflanzen wie das Strand-Tausendgüldenkraut oder die Salzbunge ansiedelten.
Das große Selbstreinigungsvermögen der schwach sauren Gewässer sorgte über lange Zeit hinweg für eine ausgezeichnete Wasserqualität. Daher boten die Gewässer und die fast moorähnlichen Verhältnisse im östlichen Teil der Grube vielen seltenen Pflanzen- und Tierarten über Jahre hinweg geeigneten Bedingungen. Bis zuletzt eine Anreicherung mit Nährstoffen und ein Defizit an Wasser den Lebensraum bedrohte und Maßnahmen zum Erhalt notwendig machte. Darüber hinaus erfolgte mehrmals eine zusätzliche Wasserentnahme durch die Feuerwehr zur Bekämpfung von Bränden.
Im April 1997 hatte die untere Naturschutzbehörde auf Anregung der Fachgruppe ein Amtshilfeersuchen an das Staatliche Amt für Umweltschutz gestellt, um mögliche Sanierungsmaßnahmen vorzubereiten. Das daraufhin erstellte Gutachten zur Wasserqualität und zu den Sedimenten ergab u. a.:
Der sich im Laufe der Jahre angesammelte Schlamm ist frei von Schadstoffen und daher ungehindert deponierbar.
Eingewehtes Pappellaub (sehr langsam verrottend) hat den Teichgrund bereits hoch aufgefüllt und mindert dadurch zunehmenddie Selbstregulationskraft des Gewässers .
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Feuerwehr und THW beseitigen störenden Pappelaufwuchs |
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In Zusammenarbeit mit dem THW, der Feuerwehr und der unteren Naturschutzbehörde des Landkreises Aschersleben - Staßfurt wurden entsprechende Maßnahmen von der Fachgruppe organisiert:
Beseitigung des Hybrid-Pappelbestand am Rand des Gewässers. Mit dieser Aktion wurden die trockenen Hänge dem Licht geöffnet. Reste von Sandtrockenrasen konnten sich wieder ausbreiten. In den Folgejahren fassten die Pflanzen und Tiere des Trockenrasens und der Lehmbruchwände auch zunehmend Fuß auf neuem Terrain.
Entfernung des durch den Verlandungsprozess stark angestiegenen Bewuchses mit Typha und Phragmites und teilweises Entschlammen zur Minimierung der Fäulnisprozesse.
Im Rahmen eines ABM-Einsatzes konnten im Winter auf dem zugefrorenen Teich die vertrockneten Röhrichtreste der Vorjahre abgeschnitten und abtransportiert werden. Der
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Mit leichter Technik werden Verlandungen beseitigt |
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Geschäftsführer der Neundorfer Firma "Schulze Hoch- und Tiefbau" erklärte sich bereit, für nur insgesamt 1.500,-DM mit leichtem Gerät den Röhrichtbulten zu Leibe zu rücken. Auch die Beräumung des Baggergutes und die Stapelung an einer geeigneten Stelle per Radlader sagte die Firma zu.
Nach diesen Aktionen und einer von Hand erfolgten Nachberäumung hat sich das Gewässer in der Kiesgrube deutlich erholt. Die Schwaden der Schwefelbakterien waren verschwunden, das Wasser war wieder klar. Nach Jahren gab es wieder ein richtiges Kröten- und Froschkonzert zur Laichzeit.
Das Gewässer der Kiesgrube wird ausschließlich durch Niederschlagswasser gespeist. Solange keine überdurchschnittlichen Niederschlagsmengen fallen, kann allerdings das Ökosystem den Wasserverlust nicht ausgleichen. Die Fachgruppe hat sich vorgenommen, gemeinsam mit der unteren Naturschutzbehörde und der Wasserbehörde zu prüfen, wann eine Überleitung von Wasser aus dem nahegelegenen Fließgewässer Liethe in die Kiesgrube möglich ist. Wir sind zuversichtlich.
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Vegetationsreste werden von Hand beräumt |
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Übrigens: Dank der organisatorischen und praktischen Bemühungen der Fachgruppe wurde dieses Vorhaben im Rahmen des Umweltpreises des Landes Sachsen-Anhalt im Jahr 2001 mit einem ersten Platz ausgezeichnet.
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