Exkursion zur schwedischen Insel Öland
vom 4. Juni bis 10. Juni 2001
Ein Exkursionsbericht von Helga Lang und Dietmar Spitzenberg

 

Wikegards-Camping - unsere Unterkunft; Aufn. D. Spitzenberg 2001

  • Wikegards-Camping, unsere Unterkunft für eine Woche im Nordosten Ölands.
  • Aus Anlass des 30-jährigen Bestehens der Fachgruppe wurde eine Fachexkursion vom 4.6. bis 10.6. durch Christian Bank organisiert, dem dafür unser Dank gilt. Ziel der Reise war nach 1050 Fahrkilometern die Insel Öland.

    Die “Sonneninsel” Schwedens bietet dem Besucher zwischen dem Naturreservat Trollskogen im Norden und der Vogelwarte Ottenby im Süden viele kulturelle Sehenswürdigkeiten und interessante Naturausstattungen. Für die Mitglieder der Fachgruppe war es zweifellos eine Bereicherung und es konnten viele neue Eindrücke gewonnen werden.

    Mit 12 Personen belegten wir drei Hütten im typischen falunrot auf dem Campingplatz Wikegard an der Ostküste der Insel. Kernstück des Campingplatzes ist ein unverfälschter Bauernhof aus dem Jahre 1880. Gleich anschließend befindet sich ein ornithologisch ausgerichtetes Naturreservat (FFH-Gebiet).

     

    Byrums Raukar; Aufn. D. Spitzenberg 2001

  • Byrums Raukar - vom Meer geformtes Gestein.
  • Der erste Tag galt einer gemeinsamen Erkundungsfahrt in Richtung Sandvik und entlang der Westküste zur erhaltenen Steinmühle Jordhamn, die bis ca. 1930 Kalksteine schliff. Weiter nördlich, bei Byrums Raukar hat das Meer eigenartige Formationen aus dem Kalkgestein geformt.

    Eiderenten, Prachtaucher und Brandgänse - ein Blickfang für die Ornithologen unter uns. Kalksteinablagerungen mit fossilen Einlagerungen für die geologisch interessierten Fachgruppenmitglieder. Und immer wieder Orchideen, zahllos in Anzahl und Art.

     

    Interessant ist Öland insbesondere durch die ausgeprägten Orchideeenvorkommen. Der Nährstoffarme Kalkuntergrund und eine thermische Begünstigung lassen dort über 40 Arten gedeihen. Vor allem in den für Öland typischen Gebieten der Stora (heideähnliche Gebiete mit geringer Rohbodenschicht) sind flächendeckende Bestände anzutreffen. Aber auch die Wälder und Wiesengebiete beherbergen zahlreiche Arten. Während unserer Exkursion konnten 16 Arten dokumentiert werden, die nebenstehend aufgelistet sind:

     

    Cephalantera longifolia; Aufn. D. Spitzenberg 2001

  • An den Waldränder häufig: Cephalantera longifolia.
  • Nachgewiesene Orchideenarten

    Cephalantera longifolia - Schwertblättriges Waldvöglein
    Dactylorhiza cruenta - Fleischfarbenes Knabenkraut
    Dactylorhiza fuchsii - Fuchssches Knabenkraut
    Dactylorhiza incarnata - Steifes Knabenkraut
    Dactylorhiza maculata - Geflecktes Knabenkraut
    Dactylorhiza ochroleuca - Bleiches Knabenkraut
    Dactylorhiza sambucina - Holunder-Knabenkraut
    Herminium monorchis - Honigorchis
    Listera ovata - Großes Zweiblatt
    Neottia nidus-avis - Vogelnestwurz
    Ophrys insectifera - Fliegen-Ragwurz
    Orchis mascula - Stattliches Knabenkraut
    Orchis militaris - Helm-Knabenkraut
    Orchis morio - Salep-Knabenkraut
    Orchis ustulata - Brandknabenkraut
    Plathantera bifolia - Weiße Waldhyazinthe

    Bei einem vorherigen Aufenthalt im August konnten ferner festgestellt werden:

    Epipactis palustris - Sumpfsitter
    Epipactis atropurpurea - Braunroter Sitter
    Epipactis heleborine - Breitblättriger Sitter

  • Trollskogen - Gespensterwald; Aufn. J. MüllerDer Trollskogen, ein Kiefernwald auf der Nordspitze Ölands, dessen Windflüchter dem Wald einen eigenartigen gespenstigen Charakter geben.
  • (Aufn. J. Müller, Magdeburg)

     

    Der zweite Tag beinhaltete eine Wanderung im Naturreservat Trollskogen. Erschlossen ist das Gebiet durch einen ca. 4,5 km langen Rundwanderweg. Unsere Tour führte uns durch typisch ausgeprägte Salzwiesen an einem Boddengewässer mit der ihr eigenen Pflanzenbesiedlung. Ein Vergleich mit den am Heimatort vorkommenden Binnenlandsalzstellen war interessant und lehrreich.
  • Setina roscida ein Bärenspinner; Aufn. J. MüllerSetina roscida - ein an Flechten lebender Bärenspinner (Arctiidae), mit südlicher Verbreitung (bis zum südl.Mitteldeutschland) der jedoch auch ein isoliertes (nacheiszeitliches) Vorkommen in Schweden hat. (Aufn. J. Müller, Magdeburg)
  • Zur Seeseite hin typische Windflüchter in einem sturmgepeitschten, märchenhaften Kiefernwald, der dem Gebiet seinen Namen - Trollskogen - gab. Reste eines uralten Königsgrabes, ein hölzernes Wrack am Strand und uralte, verknöcherte Eichen. Auch ein Abstecher zum “Langen Erik”, dem Leutturm auf der Nordspitze durfte nicht fehlen.

     

    Die während unseres Aufenthalts nachgewiesenen Schmetterlinge (Lepidoptera)

    Tagfalter
    Pieris napi
    Anthocharis cardamines
    Gonepteryx rhamni
    Pararge aegeria
    Pararge megaera
    Coenonympha pamphilus
    Melitaea aurinia
    Melitaea cinxia
    Melitaea athalia
    Argynnis selene
    Argynnis euphrosyne
    Nemeobius lucina
    Callophrys rubi
    Crysophanus phlaeas
    Zizera minima
    Lycaena icarus
    Hesperia malvae  
    Spinner, Schwärmer, Bärenspinner
    Endrosa roscida
    Spilosoma menthastri
    Malacosoma castrensis
    Lasiocampa trifolii
    Macrothylacia rubi
    Smerinthus ocellatus
    Celerio galii
     
    Eulenfalter
    Barathra brassicae
    Polia thalassina
    Polia nana
    Amphipyra pyramidea
    Gonospileia mi
    Gonospileia glyphica
    Pechipogon barbalis
    Spanner
    Jodis putata
    Cosymbia linearia
    Cidaria montanata
    Cidaria bilineata
    Cidaria tristata
    Cidaria alternata
    Asthena albulata
    Cabera pusaria
    Anagoga pulveraria
    Gonodontis bidentata
    Opisthograptis luteolata
    Cepphis advenaria
    Lithina chlorosata
    Semiothisa clathrata
    Boarmia punctinalis
    Ematurga atomaria
     
    Zünsler
    Pyrausta purpuralis
    Endotricha flammealis
    Elophila lemnata

     

    Alte Eiche im Trollskogen; Aufn. D. Spitzenberg 2001

  • Eine markante Eiche auf dem Rundwanderweg im Reservat Trollskogen.
  • Die übrigen Tage dienten mehr oder weniger der individuellen Erkundung der Insel. Auf dem Programm standen Sehenswürdigkeiten wie die Museumssiedlung Eketorp, Gräberfelder aus der Eisenzeit und das Mekka der Ornithologen, die Vogelwarte Ottenby. Letztere wurde von dann auch hauptsächlich von unseren ornithologisch interessierten Freunden eingehend begutachtet. Insbesondere für Zugvögel ist die Südspitze Ölands im Frühjahr interessant, wenn sie nach dem Flug über die Ostsee erstmals auf Land stoßen. Und so gewähren dann auch die ornithologischen Mitteilungen, festgehalten auf zahllosen Zetteln im “Briefkasten” am Eingang zum Vogelschutzgebiet, einen Einblick in die Vielfalt der Ornis Ölands.

     

     

    Die Stora Alvaret; Aufn. D. Spitzenberg 2001

  • Im Frühjahr überwiegt der gelbe Farbaspekt in der Stora Alvaret.
  • Zweifellos interessant und empfehlenswert auch ein Besuch der Stora Alvaret, diese flache, heideähnliche Fläche von erheblicher Ausdehnung im Mittelteil der Insel. Neben den zahlreich anzutreffenden Orchideen verleihen die Vorkommen von Kugelblume, Sonnenröschen und Küchenschelle zwischen den Wacholder und Schlehenbeständen dem Gebiet einen eigenwilligen Charakter, in dem je nach Jahreszeit entweder ein gelber oder blauer Farbton überwiegt.

     

     

    Gewässer im Gebiet Kungsgard, Aufn. D. Spitzenberg 2001

  • Gewässer mit Hahnenfuss (Ranunculus) bei Kungsgard. Hier konnte auch die Odonatenart Leucorrhinia pectoralis festgestellt werden.
  • Nicht zu vergessen der Abstecher nach Kungsgard. Hier sind ausgedehnte Waldbestände mit Eiche und Linde anzutreffen, in denen wiederum viele Orchideen anzutreffen sind. Der Weg dorthin ist von den auf Öland typischen Steinwällen gesäumt. In den tiefer gelegenen Bereichen sind Wasserflächen anzutreffen, in denen sich zahlreiche Ringelnattern heimisch fühlen. Diese anmoorigen Habitate bieten aber auch Libellen und Wasserkäfern Lebensraum.

     

     

     

    Öland beherbergt trotz oder gerade seiner mehr als eben zu bezeichnenden Geländestruktur viele zum Teil nur temporäre Wasserflächen. Auch einige Fließgewässer sind anzutreffen. Insbesondere dort, wo ein anmooriger Untergrund anzutreffen ist, weisen derartige Habitate eine bemerkenswerte limnische Fauna auf. Nebenstehend die bei der Exkursion durch Stichproben festgestellten Wasserkäferarten.

     

    Wasserkäfernachweise der diesjährigen Exkursion

    Gyrinidae
    Gyrinus marinus
    Gyrinus substriatus
     
    Haliplidae
    Haliplus lineatocollis
    bei vorherigen Exkursionen u.a. Haliplus furcatus
    Haliplus fulvicollis
     
     
    Elmidae
    Oulimnius tuberculatus
     
    Dytiscidae
    Agabus chalconatus
    Agabus uliginosus
    Agabus didymus
    Agabus congener
    Agabus unguicularis
    Bidessus unistriatus
    Graptodytes granularis
    Graptodytes bilineatus
    Hydroporus pubescens
    Hydroporus obscurus
    Hydroporus planus
    Hydroporus striola
    Hygrotus inaequalis
    H. impressopunctatus
    Ilybius ater
    Ilybius subaeneus
    Hydraenidae
    Ochthebius bicolon
    Ochthebius minimus, Limnebius truncatellus
     
    Helophoridae Helophorus brevipalpis
    Helophorus minutus
    Helophorus flavipes
    Helophorus nanus
    Helophorus griseus
     
    Hydrochidae Hydrochus brevis
     
    Hydrophilidae Anacaena lutescens
    Berosus signaticollis
    Cymbiodyta marginella Enochrus coarctatus
    Laccobius striatulus
     

    Leucorrhinia albifrons; Aufn. D. Spitzenberg 2001

  • Leucorrhinia albifrons - eine östliche Art, die in Deutschland selten vorkommt.
  • Die im Jahr 2001 durchgeführte Exkursion nach Öland war bereits unsere dritte Exkursion auf diese Insel. Wir können jedoch keinesfalls behaupten, dass wir bereits alles kennen.

    Und so kann es dann durchaus sein, dass wir in einigen Jahren wiederum planen, der vielfältigen Insel einen erneuten Besuch abzustatten.

     

    Weitere Informationen zu dieser Fachgruppenexkursion finden Sie auch auf der botanischen Homepage unseres Fachgruppenmitglieds Christian Bank: Alpinissimum.de